Demokratieforschung

 

setzt sich mit den Prozessen der Meinungsbildung und der Ausübung von demokratischen Rechten auseinander. An der Universität Zürich wurde dafür 2005 mit der Bezeichnung NCCR Democracy 21 ein Nationaler Forschungsschwerpunkt (NFS) gestartet.
Das Programm Nationale Forschungsschwerpunkte fördert langfristig angelegte Forschungsvorhaben zu Themen von strategischer Bedeutung für die Zukunft der schweizerischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft. Drei Hauptaspekte prägen die NFS: exzellente und international sichtbare Forschung, Wissens- und Technologietransfer sowie Ausbildung und Frauenförderung. Zudem sollen die Forschungsschwerpunkte zur besseren Strukturierung der schweizerischen Forschungslandschaft beitragen. Die Bundesbeiträge an die NFS werden vom Parlament bestimmt. Zusätzlich werden sie durch Eigenmittel der Hochschulen und durch Drittmittel finanziert. Das seit 2001 bestehende Instrument umfasst zurzeit 20 NFS oder engl. NCCR (National Center of Competence in Research).

NCCR Democracy ist unter der Gesamtleitung von Prof. Hanspeter Kriesi (Institut für Politikwissenschaft an der Universität Zürich) und untersucht die wichtigsten Herausforderungen an die Demokratie im 21. Jahrhundert. Diese sind auf zwei Entwicklungen zurückzuführen: einerseits auf die Globalisierung und andererseits auf den zunehmenden Einfluss der Medien auf die Politik (Medialisierung). Ihre Auswirkungen stellen die demokratischen Institutionen vor zahlreiche neue Anforderungen und Probleme, für die bisher noch keine befriedigenden Lösungen gefunden wurden. Der NCCR Democracy realisiert eine in Europa einmalige Verbindung der beiden Fachgebiete Politikwissenschaft und Publizistik- und Kommunikationswissenschaften. Es ist das langfristige Ziel des Forschungsprogramms, Vorschläge zur Verbesserung der politischen Entscheidungsprozesse, der politischen Bildung und der Qualität der Medienberichterstattung zu erarbeiten.

Der NCCR Democracy setzt sich zusammen aus vier Forschungsmodulen und einem angewandten Modul, das den Transfer der Ergebnisse in die Gesellschaft sicherstellen soll.

Modul 1 erforscht die Möglichkeiten und Grenzen der Ausdehnung von Demokratie auf die internationale und supranationale Ebene und auf unstabile Regionen.

Modul 2 befasst sich mit den Veränderungen, welche die beiden oben beschriebenen Entwicklungen für das Regieren in stabilen westlichen Demokratien mit sich bringen.

Modul 3 analysiert die Ursachen der wachsenden Rolle der Medien in der Politik und ihre Implikationen für den politischen Prozess.

Modul 4 untersucht die Implikationen der zunehmenden Rolle der Medien für die politische Partizipation und Repräsentation.

Das Wissenstransfermodul hat zum Ziel, die Erkenntnisse aus den Forschungsprojekten in sieben praxisnahe Projekte einzubringen und Instrumente zu entwickeln, welche die Qualität von Demokratie verbessern sollen:

Der „Demokratiebarometer“ evaluiert die Qualität der Demokratie in OECD-Mitgliedstaaten und legt Verbesserungsmöglichkeiten dar.

Das Projekt “Politische Bildung” erarbeitet pädagogische Instrumente, um die Qualität der politischen Bildung in der Schweiz zu erhöhen.

Das Projekt „Smart-voting“ analysiert die Auswirkungen des elektronischen Wählens und Abstimmens auf Politik und Meinungsbildungsprozesse. Ein Vertiefungsprojekt untersucht die staatsrechtlichen Probleme und Potenziale von smart-voting.

Das Projekt „Narrativer Raum“ organisiert eine Vermittlungsplattform zwischen Journalisten und NCCR Forschern, um den Dialog zwischen Wissenschaft und Medien zu fördern.

Das Projekt „Demokratische Prozesse und Politisches Verhalten“ entwickelt einen E-learning-Einführungskurs über das politische System der Schweiz und eine E-learning-Umgebung zur Unterstützung politikwissenschaftlicher Kurse an Schweizer Hochschulen.

Der „Media and Democracy Monitor“ evaluiert die Leistungen der Massenmedien in Bezug auf das Funktionieren von Demokratien.

Die nächsten Blogeinträge werden sich mit Ergebnissen im Bereich Demokratie und Medialisierung aus Democracy 21 auseinandersetzen.

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One Comment on “Demokratieforschung”

  1. Beatrice Altorfer Says:

    Im Rahmen dieses NCCR’s sind einige interessante Projektberichte erschienen, von denen ich eine Fallstudie kurz erwähnen möchte, weil sie in engem Zusammenhang mit diesem Blog steht. Es ist das Forschungsprojekt ‚Governance-Netzwerke zur politischen Meinungsbildung. Manifestation einer neuen politischen Kultur?’ von M. Narr und Y. Stricker. http://www.nccr-democracy.uzh.ch/nccr/publications/workingpaper/pdf/WP16.pdf
    Die beiden Forscher sind auf den Umstand gestossen, dass in westlichen Demokratien die Beteiligung an Wahlen und Abstimmungen gesunken ist und politische Parteien an Bedeutung verloren haben. Vor diesem Hintergrund beobachten sie das Phänomen, dass sich politische Netzwerke (Governance-Netzwerke) bilden, die sich auf eine neue Art und Weise in den politischen Meinungsprozess einbringen, indem sie sachorientiert, unabhängig und ohne einer Partei politisch verpflichtet zu sein die Bevölkerung über politische Themen informieren. Sie verfolgen das Ziel, die Leute für die Teilnahme an Wahlen und Abstimmungen zu mobilisieren via Internet, Podcasts, Broschüren etc. Die Autoren gehen der Frage nach, inwiefern es dabei um einen grundsätzlichen Wandel im politischen Handeln geht und ob sich eine neue Form von politischer Kultur entwickelt (New Political Culture). Sie möchten wissen, wieso sich diese politischen Akteure innerhalb dieser Netzwerke mit dem Ziel der politischen Meinungsbildung engagieren, und ob dieses Engagement einem veränderten Demokratieverständnis entspringt. In ihrer Untersuchung betrachten sie die drei Governance-Netzwerke Votez, Young4FUN und Vernunft Schweiz. Als Merkmale von Governance-Netzwerke definieren sie interdependente, aber autonom agierende Akteure, die miteinander durch Verhandlungen interagieren, innerhalb eines normativen und kognitiven Bezugssystems, das sich selbst reguliert und zu öffentlichen Zwecken beiträgt. Anhand von Interviews mit den jeweiligen Leitern/Gründern untersuchen sie, bei welcher der drei Gruppierung die Merkmale einer neuen politischen Kultur am ausgeprägtesten hervortreten. Die Autoren können festhalten, dass es zwar ein zunehmendes Bedürfnis nach einem politischen Engagement gibt, das auf persönliche Einstellungen abgestimmt ist, doch können sie nicht explizit einen kulturellen Wandel belegen. Der Erfolg der untersuchten Governance-Netzwerke beruht auf einem Attraktivitätsverlust von Parteien aber auch Umweltfaktoren wie das Internet, mit dem sich die Gruppen vernetzen und viele Leute erreichen können. Weiter scheinen Governance-Strukturen mit den oben genannten, und im Text noch weiter spezifizierten Merkmalen, für viele Leute heute attraktiver zu sein als die traditionellen Government-Strukturen, welche eine Meinung eingebettet in ein politisches Programm übermitteln wollen – offenbar sind viele Leute heute nicht mehr bereit, sich wie bisher einer bestimmten politischen Ideologie zu unterwerfen oder sich in politische Abhängigkeit zu begeben.


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