Demokratie in der Mediengesellschaft

Das „Mediensymposium Luzern“ setzt sich seit vielen Jahren im Zweijahresrhythmus mit den Bedingungen und Formen von „Öffentlichkeit, öffentlicher Kommunikation und sozialem Wandel“ auseinander. Das Symposium zum Thema „Demokratie in der Mediengesellschaft“ fand im Dezember 2004 statt. Im Mai 2006 wurden die Vorträge zusammengefasst zu einem Buch mit dem gleichnamigen Titel publiziert.

Das Thema Demokratie in der Mediengesellschaft wurde unter 3 Aspekten beleuchtet:

  1. Neue Interdependenzen von Politik und Medien:  Medialisierung
  2. Entgrenzung der Wirtschaft – Entgrenzung der Politik: Entgrenzte Demokratie?
  3. Klüfte: Partizipationsbefähigung und Motivation

Zu jedem Titel wurden 6 Papers eingereicht. Das Buch ist ein äusserst interessanter Fundus mit vielen Facetten zum Thema.

Im Laufe der Blogeinträge wurde mehrmals angesprochen, dass die neuen Technologien ein urdemokratisches Prinzip fördern: Die öffentliche, uneingeschränkte Kommunikation und die Freiheit der Publizistik. Zur Kommunikation des politischen Systems gesellt sich die öffentliche Kommunikation. Dass beides gewünscht ist, dass die Orientierung am politischen System in einer komplexen Gesellschaft wohl nötig ist, hat die deutliche Ablehnung der „Maulkorb-Initiative“ vom vergangenen Wochenende gezeigt. Die Aufgabe der öffentlichen Kommunikation ist wie bis anhin aber vielleicht mit neuen Instrumenten, Themen aufzugreifen, öffentlich zu machen, und diese ans politische System zu Bearbeitung abzugeben. Die neuen Instrumente müssen aber so geartet sein, dass die Partizipationschancen, aber auch die Partizipationskompetenz und –motivation demokratisch, also für alle gleich sind.

Die philosophische Diskussion dreht sich um die Rolle des politischen Systems in der Kommunikation und die Aufgabe der Öffentlichkeit. Dabei werden Lehren zitiert und Schulen vertreten. Pragmatisch aber geht es doch um die Chancen jedes Einzelnen, seine Meinung kundzutun, aber auch um Chancengleichheit bei der Meinungsbildung. Ist das gewährleistet, wenn öffentliche Kommunikation primär medienvermittelt ist? Wie leben verschiedene Bevölkerungsgruppen mit den Veränderungen im Geltungsbereich der Demokratie? Wie funktionieren die Mechanismen demokratische Prozesse im Zeichen der Veränderungen in der Mediengesellschaft? Welche Bedeutung haben die neuen Prozesse der der öffentlichen Kommunikation für die Demokratie? In dem Buch werden einzelne Aspekte, Antworten zu obigen Fragen und Tendenzen, die sich abzeichnen in Beiträgen diskutiert. So gibt es etwa eine Bestandesaufnahme über das Internet als politisches Informationsmedium. Es wird das Konzept „Digitale Spaltung“ kritisch hinterfragt oder es geht um Demokratie und moralische Führerschaft, die auch hin und wieder in diesen Weblog eingeflossen ist.

Ohne alle Beiträge gelesen zu haben, fasziniert mich diese Publikation. Es ist die Erkenntnis, dass „man“ sich mit diesen Themen beschäftigt, dass es einen wissenschaftlichen Umgang damit gibt. Meine Alltagserfahrung vermittelt mir einen gewissen Eindruck und wenn ich es nun genauer wissen möchte, wenn ich einen objektiven Zugang suchte, gäbe es eine Publikation, in die ich mich vertiefen könnte.

 

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